Dungeonslayer's

Die Pyramide des Eck´Wan

Mein Dank für diesen tollen Spielbericht geht an

Bernhard “Ursus Piscis” Dittrich aus dem DS Forum

Dieser Spielbericht ist aus der Sicht von Vier Personen geschrieben!

Geheime Festung der Reiter der Morgenröte in den Splitterhügeln

Mit gesenktem Kopf ließ sich der Sandner auf den weichen Diwan sinken und lehnte die angebotenen Erfrischungen mit einem stummen Kopfschütteln ab. Lediglich aus der Wasserpfeife nahm er einen Zug. Nachdem er langsam den würzigen Rauch ausgeblasen hatte, wischte er sich kurz über die Augen, räusperte sich und sagte: „Herr, du ließt mich rufen, um dir zu berichten, warum ich von dem Grenzritt alleine zurückkehrte. Nun, das ist eine lange Geschichte … alles begann mit einem gewaltigen Sandsturm, der den dicken Ugy und mich von unserem Weg zur Oase von Al Mahal abbrachte. Auf unserer Flucht fanden wir in einem kleinen Dorf an den Ufern des Randuir Unterschlupf. Die Bewohner erwiesen sich als äußerst gastfreundlich und beherbergten uns und vier andere Reisende über Nacht. Als sich am nächsten Morgen der Sturm verzogen hatte, baten sie uns, sie im Kampf gegen wandelnde Tote zu unterstützen. Es stellte sich heraus, dass seit langer Zeit Untote unseres eigenen Volkes die gesamte Gegend um eine halb versunkene Pyramide in der Nähe des Dorfs unsicher machten …“

Ery unterbrach sich, als er den zweifelnden Blick seines Gebieters sah. Hastig schüttelte er den Kopf und meinte: „Herr, bitte frage mich nicht, warum die Dorfbewohner über Jahre tatenlos zusahen und erst uns um Hilfe baten, als wir zufällig vorbei kamen. Ich habe selbst keine Erklärung dafür … vielleicht waren sie zu schüchtern? Na, jedenfalls nahmen wir uns gerne der Sache an. Auch die anderen Reisenden boten ihre Unterstützung an und begleiteten uns zu der Pyramide … was die Elfe, den Zwerg und die beiden Menschen allerdings dazu bewog, vermag ich nicht zu sagen. Hilfsbereitschaft oder Dankbarkeit? Vielleicht auch Abenteuerlust oder Wissensdurst? Möglicherweise auch schlichte Goldgier? Ich weiß es bis heute nicht, da sich unsere Wege nach den Erlebnissen in dem alten Grabmal rasch trennten. Als wir es erreicht hatten, erkannten „der Dicke“ und ich auf den ersten Blick, dass es sich um eine uralte Festungspyramide eines Mumienfürsten handelte. Da wir ja mit solchen Bauwerken unsere Erfahrung haben, fanden wir rasch den im Sand verborgenen Eingang. Das Eingangstor war allerdings mit einem Zauber versperrt zu sein: In altertümlichen zasarischen Schriftzeichen war ein altbekannte Rätsel über Tag und Nacht eingraviert … bitte fragt mich nicht, warum sich ein uralter Mumienfürst eines dermaßen verbreiteten Rätsels bediente – das weiderum ist nämlich mir ein Rätsel.“

Der Halbling grinste schief, dann nahm er einen weiteren Zug aus der Wasserpfeife und fuhr fort: „Wie auch immer, wir drückten also auf den richtigen Buchstaben und schon schwang das Tor mit einem lauten Knarren auf. Aus dem Inneren wehte uns kühle, abgestandene Luft entgegen. Bevor wir jedoch eintreten konnten, bedeutete uns der Zwerg, der sich als Geirox, Sohn vom Irgendwem, vorgestellt hatte, anzuhalten. Dann murmelte er ein paar unverständliche Worte und segnete uns offenbar im Namen seines Gottes. Wie du weißt, halte ich ja eigentlich nichts von religiösen Zeremonien, aber trotzdem fühlte ich mich eigenartig gestärkt und zuversichtlich, als wir uns in die Dunkelheit begaben. Im Schein unserer Fackeln stießen wir bald auf eine Steintreppe, die uns abwärts führte. Plötzlich hieß uns Sereida, die elfische Zauberin, stehen zu bleiben. Nachdem sie die Steinwände genau gemustert hatte, wies sie uns an, eine bestimme Stufe zu überspringen. Als wir alle darunter waren, drückte sie mit ihrem langen Stab auf die Stufe, worauf mehrere Speere aus der Wand geschossen wurden. Dasselbe wiederholte sich nach einigen Stufen … nur, dass dieses Mal eine große Sichel von Wand zu Wand schwang. Auf diese Weise rettete uns die Elfe zweimal vor gefährlichen Fallen … wobei – ich habe keine Ahnung, wodurch diese in der langen Zeit in Schuss gehalten wurden. Leider übersah sie die dritte Falle … kurz drauf betrat Ugy nämlich eine Stufe, woraufhin sich die gesamte Treppe mit einem Knarren in eine steile Rutsche verwandelte. Nur die Menschenfrau, die sich selbst als Muradizhe, „die Nachtschöne“ vorgestellt hatte, und ich konnten uns rechtzeitig festhalten, alle anderen landeten mit einem lauten Platschen in einer Grube mit fauligem Wasser. Während sie hastig versuchten, auf der gegenüberliegenden Seite hinauszuklettern, mussten sie sich zu allem Überdruss auch noch einen ganzen Schwarm kleiner, untoter Fische mit äußerst spitzen Zähnen von Leibe halten. Ungerührt von meinen krampfhaften Bemühungen, nicht auch noch in die stinkende Brühe zu rutschen, rieb die Frau ein paar Mal über ein prächtiges Amulett, das sie um den Hals trug und schwebte – wie von einer Zauberhand getragen – auf die andere Seite. Immerhin war sie so freundlich, es mir danach zuzuwerfen und die Handhabung zuzurufen, sodass auch ich unbeschadet die andere Seite erreichte, wo das Artefakt sofort wieder mit Nachdruck von seiner Besitzerin eingefordert wurde. In der Zwischenzeit waren auch die anderen aus der Grube empor geklettert – allerdings hatten sie doch einige üble Bisswunden davon getragen. Wütend fluchend jagte der zweite Mensch – ein Zauberer namens Al Murgon, der vermutlich nur wegen seines riesigen Turbans stolz auf der Anrede als „Sahib“ bestand – in rascher Folge etliche Feuerstrahlen auf die untoten Fische, bis das gesamte Wasser unter erbärmlichen Gestank zu kochen schien. Nachdem auch diese Angelegenheit zur Zufriedenheit aller erledigt war, zog Geirox einen kleinen Beutel hervor, aus dem er jedem Verletzten ein paar vertrocknete Beeren gab. Trotz ihres doch recht fragwürdigen Geruchs schluckte er selbst einige davon. Zu meinem Erstaunen schlossen sich sofort ein paar kleinere Wunden … so wurde mir klar, dass auch der zwergische Cor-Priester ebenfalls über Zauberkräfte verfügen musste.“

Ery befeuchtete seine Kehle mit einem Schluck kräftigen Tees aus grüner Minze, bevor er seine Geschichte fortsetzte: „Wiederum befanden wir uns vor einer verschlossenen Türe, über der abermals ein Rätselspruch eingelassen war. Diesmal war die Lösung allerdings nicht so offensichtlich. Noch dazu beunruhigten uns mehrere Gongschläge, die dumpf durch die Tür drangen. Muradizhe hatte bereits einen mit einem Smaragd besetzten Schlüssel gezückt, mit dem sie offenbar das Schloss öffnen wollte, als Sereida mit einem siegessicheren Lächeln vortrat und das Losungswort verkündete, während Al-Murgon – sichtlich in seiner Ehre als belesener Gelehrter gekränkt – zur Seite trat. Tatsächlich öffnete sich langsam die Tür …“

Teil 2 aus der Sicht der Zasarin Muradizhe, die “Nachtschöne”

Basar von Barak

Geschmeidig räkelte sich die hübsche Zasarin auf dem dicken Sitzteppich im teuersten Teehaus des Basars von Barak. Langsam nahm sie sich eine frische Feige aus der silbernen Obstschale vor ihr und schob die reife Frucht mit einer sinnlichen Bewegung zwischen ihre vollen Lippen. Dabei warf sie dem dicken, schwitzenden Kaufmann, der ihr gegenüber saß, unter ihren langen, schwarzen Wimpern einen schmachtenden Blick zu und hauchte: „So … bist du wieder gekommen, um den Rest der Geschichte zu hören? Du kennst ja meinen Preis …“
Der reiche Händler nickte und schob mit zitternder Hand einen silbernen Ring zu ihr, der mit einem großen Rubin besetzt war. Zufrieden ergriff Muradizhe das Schmuckstück und ließ es in den tiefen Ausschnitt ihrer Seidenbluse gleiten. Dabei beugte sie ihren Oberkörper leicht nach vorne, um dem Mann einen Blick auf ihre zarten Brüste zu gestatten.

Erst als er sich schnaufend zurückfallen ließ, hockte sich Muradizhe im Schneidersitz auf den Teppich und begann mit sanfter Stimme zu erzählen: „Nun, an welcher Stelle mussten wir gestern abends unterbrechen … ach ja, nachdem wir also Dank der Gelehrsamkeit dieser kühlen, hageren Elfe das Rätsel gelöst und die Tür geöffnet hatten, befanden wir uns in einer Art von … Kreuzgang in einem großen Raum. Ich bot mich an, ihn zunächst leise zu erforschen. Sereida verlangte eines meiner Wurfmesser und legte einen Lichtzauber auf die Klinge, in dem sie kurz darüber strich und flüsterte ein paar eigenartige Worte. Jedenfalls konnte ich mich mit Hilfe dieser kleinen Lichtquelle in die Mitte des Raums schleichen, wo ein riesiger Gong und ein schwerer Schlegel von der Decke hingen. Während ich noch über ihre Bedeutung rätselte, hörte von beiden Seiten schwere Schritte, die sich langsam auf meinen Standort zu bewegten. Leise schlich ich in den Gang zurück und wartete ab … wenig später musste ich einen Schreckensschrei unterdrücken, denn zu meinem Entsetzen stapften zwei große, vierarmige Knochenungetüme auf den Gong zu und schlugen ihn zweimal. Ich schaffte es mit knapper Not noch rechtzeitig, zu den anderen zurück zu eilen und sie vor der drohenden Gefahr zu waren, als auch schon das erste Ungeheuer um die Ecke bog und sich bei unserem Anblick rasch auf uns zu bewegte.“
Während ihrer Erzählung war Muradizhe langsam ein Stück näher an den Kaufmann heran gerückt und hatte sanft eine seiner Hände ergriffen. Während er gebannt an ihren Lippen gehangen war, hatte sie mit einer geübten Bewegung einen schweren Goldring von einem Finger gezogen und geschickt hinter die breite Schärpe geschoben, mit der ihre weite Bluse zusammen gehalten wurde. Um die Spannung für ihn erst noch weiter zu erhöhen, legte sie eine kleine Pause ein und bediente sich aus der Teekanne aus feinstem Porzellan.

Danach fuhr sie mit ihrer Geschichte fort, wobei sie nicht darauf vergaß, ihre Stimme mit einem gebührenden Zittern zu versehen: „Als uns die Knochengestalt beinahe schon erreicht hatte, wirkte die Sandelfe einen Zauber, der aus ihrer ausgestreckten Hand einen gleißenden Lichtstrahl auf unseren unheimlichen Gegner schießen ließ. Als dieser geblendet und wild um sich schlagend stehen blieb, war der Augenblick der beiden Halblinge gekommen. Sie stürzten sich mit ihren Krummsäbeln auf ihn und hackten wild auf ihn ein. Dabei sorgte der Stämmigere der beiden mit seinem Schild für Schutz vor den wuchtigen Hieben, während der Flinkere mit einigen schweren, gut gezielten Schlägen die knöchernen Beine zertrümmerte. Während die beiden noch damit beschäftigt waren, ihm endgültig den Garaus zu machen, wurde das zweite Ungetüm bereits von Geirox und Al Murgon erwartet. Noch bevor es uns zu nahe kommen konnte, hatte es bereits Bekanntschaft mit einem Feuerstrahl des Zauberers und einem Lichtpfeil des Priesters gemacht. Nachdem es auch noch von Sereida geblendet worden war, zogen wir uns ein wenig zurück, bis es die beiden schließlich mit ihren Zaubern vernichten konnten. Trotz der Macht unserer Gegner hatten wir so den Kampf weitgehend unbeschadet überstanden. Nachdem sich die beiden Kämpfer und die Zauberwirker wider etwas erholt hatten, begannen wir mit der Erkundung des restlichen Raums. Wir entdeckten schließlich zwei Türen. Vorgewarnt durch die letzten Erlebnisse schlug die Elfe vor, erst den weiteren Weg zu erforschen, in dem sie ihren sehenden und hörenden Geist zunächst voraus schicken wollte. Natürlich stimmten ihrem Vorschlag sogleich zu, obwohl der Zauberer eine säuerliche Miene machte. Während sie sich also auf den Boden setzte und mit geschlossenen Augen regungslos verharrte, bewachten aufmerksam wir unsre Umgebung, um nicht von weiteren Ungeheuern überrascht zu werden. Schließlich kam die Elfe mit einem tiefen Seufzen wider zu sich und berichtete uns, dass der Gang hinter der linken der beiden Türen schließlich in einer Sackgasse enden würde. Der andere Gang hingegen würde nach ein paar Meter in einen Raum führen, in dem neben einem großen Tisch voller Werkzeuge und einigen großen Tonvasen eine merkwürdige Gestalt aus Knochen, Metall und Holz stehen würde. Sereida konnte uns nicht sagen, ob es sich um eine ungewöhnliche Statue oder um ein weiteres, durch Zauberei beseeltes Wesen handeln würde. Nach den bisherigen Ereignissen gingen wir von Letzterem aus und bereiteten uns auf einen weiteren Kampf vor … aber davon muss ich dir ein anderes Mal berichten. Für heute ist es genug – meine Stimme ist schon ganz heiser und ich brauche noch meinen Schönheitsschlaf“, raunte Muradizhe, während sie sich mit einer geschmeidigen Bewegung erhob und dem Händler einen zarten Kuss auf den Mund hauchte, der seine Widerworte im Keim ersticken

Teil 3 aus der Sicht der Sandelfe Sereida

Halle der Gelehrsamkeit von Nai’Suîl

Mit geschlossen Augen legte Sereida die Fingerspitzen aneinander, um sich besser an die Geschehnisse in der Festungspyramide zu erinnern. Geduldig wartete sie ab, bis sich ihre Brüder und Schwestern wieder in der geräumigen Studierstube versammelt hatten, um ihrem weiteren Bericht zu lauschen. Nach einem kurzen Blick in die Runde und auf ein knappes Nicken des Großmeisters hin hob sie mit klarer, ruhiger Stimme zu Erzählen an: „Nun, da wir also durch meinen Zauber vorgewarnt waren, trafen wir die letzten Vorbereitungen für einen Kampf, der uns wahrscheinlich bevorstehen würde. Geirox zog einen runden, glänzenden Achat aus einem Beutel und heilte mit dessen Zauberkraft die Wunden der beiden wackeren Sandner … ganz offensichtlich besaß er also einen der sagenumwobenen Kraftsteine der Wüstenzwerge. Auch Al Murgon überraschte mich ein wenig, zog er doch unter seiner Robe – bei der es sich ebenfalls eindeutig um ein verzaubertes Stück handelte – wahrhaftig eines der seltenen Feuerballzepter hervor, wie ich auf den ersten Blick unschwer erkennen konnte. Ich selbst legte meinen Frostzauber auf den Krummsäbel Erys, während Ugy über die Klinge seines Säbels Waffenweih schüttete. Lediglich die Zasarin, bei der ich mir übrigens sicher war, dass es ich um eine geschickte Diebin handelte, sah uns tatenlos zu. Mir fiel lediglich auf, dass sie unruhig an einem schlichten Ring zasarischer Machart herum spielte, den sie an einem Finger trug. Etwas später sollte mir dann klar werden, dass es sich um einen Ring der Ausflüchte handeln musste.“

Die Sandelfe unterbrach sich kurz, um ihre Kehle mit einem Schluck klaren Wassers aus dem schlichten Tonkrug zu befeuchten, der neben ihrem Stuhl zu ihren Füßen stand. Dann fuhr sie fort: „Nachdem wir schließlich alle Vorkehrungen getroffen hatten, eilten wir rasch zu der Tür, hinter der wir das fremdartige Gebilde vermuteten, das ich im Geiste gesehen hatte. Die Halblinge stießen die Tür auf und stürmten furchtlos auf das golemartige Ungetüm zu, das auf einem Rumpf aus Holz und Metall den skelettierten Schädel eines Menschen trug. Auch seine vier Arme und Beine waren kunstvoll aus Knochen-, Holz- und Metallteilen gefertigt worden. Sobald wir den Raum betraten, setzte es sich in Bewegung und ging zum Angriff über, während hinter uns die Tür mit lautem Krachen zufiel. Zu meiner Überraschung flogen aber auch einige verzauberte Werkzeuge, die auf einem großen Tisch gelegen waren, auf uns zu. Zangen und Haken versuchten uns zu packen … zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir – abgelenkt durch diesen unerwarteten Angriff – der Zauber fehl schlug, mit dem ich das Gebilde ebenso wie zuvor die beiden Knochengolems blenden wollte. Ich sah noch, wie sich Muradizhe mit schier unglaublicher Gewandtheit allen Angriffen entzog, als ich im nächsten Augenblick auch schon von mehreren Zangen auf den Tisch gezerrt wurde, unter dem sie sich recht geschickt verborgen hatte. Als das Ungetüm die Halblinge zur Seite schleuderte und sich bereits mit Scheren und Messern auf mich stürzen wollte, sprach Geirox einen Zauber, der es mit einer gewaltigen Druckwelle zu Fall brachte. Diesen Augenblick nützte Al Murgon aus, um den Zauber seines Zepters auszulösen. Eine feurige Kugel schoss zischend und fauchend auf das Ungetüm zu und hüllte es in Flammen, während ich weiterhin von den Werkzeugen mit unerbittlicher Kraft festgehalten wurde. Als sich der Golem rußgeschwärzt und qualmend wieder aufrichtete, waren die Halblinge zur Stelle. Mit ihren durch Zauberkraft verstärkten Krummsäbeln gelang es ihnen rasch, ihn zu vernichten. Als er schließlich in unzählige Stücke zersprang, zerfielen auch die Werkzeuge im gleichen Augenblick zu Staub …“

Für einen Augenblick genoss Sereida schweigend die ungeteilte Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wurde. Jungen und wenig erfahrenen Zauberern wie ihr gelang es in Nai’Suîl nur selten, sich bei den älteren Brüdern und Schwestern für längere Zeit Gehör zu verschaffen. Doch da die Mitglieder ihrer verschworenen Gemeinschaft nur selten in weltliche Abenteuer verstrickt wurden, waren alle auf ihre Geschichte neugierig. Einen zufriedenen Seufzer unterdrückend, setzte sie schließlich fort: „Nachdem wir ein wenig verschnauft hatten und ich mich von meinem Schrecken erholt hatte – hatte ich doch schon befürchtet, bei lebendigem Leibe aufgeschlitzt zu werden – stellten wir fest, dass sich die Tür wieder geöffnet hatte. Zudem entdeckten wir eine weitere offene Türe. Während diese von den beiden Halblingen gesichert wurden, machten wir anderen uns daran, den Raum zu durchsuchen … auffällig war dabei, dass dabei die flinke Zasarin eindeutig die Schnellste war … ich bin mir bis heute nicht sicher, ob sie nicht heimlich ein paar der Schmuckstücke, Edelsteine und Münzen einsteckte, die wir in den Vasen fanden. Sehr gelegen kamen uns auch ein paar Heiltränke, die Jahrzehnte oder Jahrhunderte überstanden hatten. Außerdem fanden wir drei Schriftrollen … leider konnte ich nur eine davon entziffern, welche den Zauber enthielt, der die Erschaffung von Manabrot ermöglicht. Ich weiß nicht, was auf den anderen Rollen stand, aber Al Murgon machte einen äußerst zufriedenen Eindruck. Er sollte sich allerdings nicht lange an seinem Fund erfreuen können … aber ich greife vorweg. Zunächst aber wollte ich die Sicherheit, die uns der Raum nun vorübergehend bot, für eine weitere Geistreise nützen, um die Gefahren zu erforschen, die noch vor uns liegen würden …“

Teil 4 aus der Sicht des Wüstenzwergs Geirox.
Viel Spaß mit dem fulminanten Endkampf!

Höhlentempel des Cor im Drachengrat

Langsam und schwerfällig erhob sich der graubärtige Wüstenzwerg und begab sich nach einer tiefen Verbeugung vor der großen, steinernen Cor-Statue mit steifen Schritten in einen Nebenraum der Ritualhöhle, wo sein Schüler bereits auf ihn wartete. Dankbar, seinen schmerzenden Knien eine Rast gönnen zu dürfen, ließ sich der alte Priester auf ein weiches Lager aus Fell sinken. Nachdem er einen Schluck Ziegenmilch aus einem irdenen Becher genommen hatte, sagte er: „Nun gut, mein Sohn … heute Abend werde ich dir endlich verraten, wie das Abenteuer ausging, das ich mit den fünf anderen in der alten Festungspyramide erlebte. Wo war ich stehen geblieben … ach ja, Sereida, die sandelfische Zauberin scheiterte leider bei dem Versuch einer weiteren Geistreise, sodass wir nicht wussten, was noch auf uns zukommen würde. Langsam und vorsichtig schlichen wir durch einen kurzen Gang, der an einer geschlossenen Tür endete. Muradizhe gelang es, diese geräuschlos zu öffnen. Dahinter befand sich ein hoher, langer Ritualraum, der ganz offensichtlich Baarn geweiht war, wie wir unschwer an vier Statuen in den Raumecken erkennen konnten. Um einen Zirkel in der Mitte des Raums standen bewegungslos vier Gestalten in dunklen, halb vermoderten Roben, die durch bläulich-violette Lichtstrahlen verbunden waren … dadurch wurde die Halle in ein unheimliches, flackerndes Zwielicht getaucht … die Anwesenheit des Bösen war stark spürbar … kein Wunder, handelte es sich doch um vier untote Baarn-Priester, die keinerlei erkennbare Regung auf unsere Anwesenheit zeigten. Sie schienen in eine Art von Ritual vertieft …“

Als sein Schüler eine Zwischenfrage stellen wollte, schüttelte Geirox unwirsch den Kopf und knurrte: „Gemach, gemach, mein Sohn … ich werde dir schon alles erzählen, was wichtig ist … ein wenig Geduld!“ Nachdem er sich mit dem Rest der Ziegenmilch gestärkt und seinen Bart sauber gewischt hatte, fuhr er fort: „Wie warteten gar nicht erst ab, um welche Art von Ritual es sich wohl handeln würde, sondern gingen gleich zum Angriff über. Während Al Murgon und ich unsere Zauber auf jeweils einen der Priester schleuderten und Sereida einen weiteren zu blenden trachtete, griffen die beiden Sandner mit ihren Krummsäbeln einen weiteren an – sogar die Zasarin schleuderte einen Wurfdolch gegen den letzten Priester. Zu unserem Schrecken nahmen die Untoten keinerlei Schaden … es schien, als würden sie durch die Lichtstrahlen, die bei jedem Angriff kurz aufflackerten, unverwundbar gemacht. Allerdings entstanden plötzlich in dem Zirkel fünf Skelette in der Größe von Halblingen. Der Zauberer fasste sich als erster, riss eine Schriftrolle aus seinem Gürtel und schrie einen Zauber, der die gesamte Fläche des Zirkels in ein loderndes Flammenmeer verwandelte. Während wir vor der Hitze zurück wichen, verkohlten die beseelten Skelette zu Aschehaufen … die untoten Baarn-Priester überstanden das vernichtende Feuer allerdings unbeschadet! Wütend brüllte Al Murgon einen lästerlichen Fluch, sprang vor und jagte in unsinnigem Zorn aus seinem Zepter einen Feuerball auf eine der Statuen, worauf der Lichtstrahl für einen kurzen Augenblick verlosch … Sereida war sofort klar, dass wir nun – Dank des Jähzorns des Zauberers – einen Weg gefunden hatten, um die Priester zu vernichten. Allerdings mussten wir dazu erst die Statuen zerstören …“

Der alte Zwergenpriester unterbrach sich und schüttelte den Kopf, als die Bilder des Kampfs wieder in ihm aufstiegen. Er rieb sich kurz über das Gesicht, bevor er weiter sprach: “Dies wurde uns allerdings nicht leicht gemacht, da durch das Ritual ständig weitere Halbling-Skelette entstanden. So mussten Al Murgon, Sereida, Muradizhe und ich stets deren Angriffe abwehren, während die beiden Sandner mit ihren Krummsäbeln, die von der Elfe mit einem Zauber belegt worden waren, eine Statue zerschlugen. Als diese schließlich zersprang, schwächte sich der Lichtstrahl merklich ab … aber erst, als auch die zweite fiel – wir alle hatten schon mehrere Wunden erlitten – erlosch endlich das verfluchte Licht! Im gleichen Augenblick begannen allerdings die Priester mit ihrem Angriff und schleuderten dunkle Zauber auf uns. Während Muradizhe unter einem Fluch vor Angst schreiend das Weite suchte, wurden die beiden Sandner und Al Murgon von einem Kettenblitz getroffen. Pfeile aus schwarzen Schatten verwundeten Sereida und mich … bei Cor, es war ein fürchterlicher Kampf, der nun entbrannte … den Blitzen und Schattenzaubern der Priester setzen wir Feuerstrahlen und Lichtpfeile entgegen … der Sandelfe gelang es zwar bald, einen unserer Gegner mit einem Eisstrahl einzufrieren, aber die anderen machten uns schwer zu schaffen. Schließlich fielen doch zwei von ihnen, die zuvor bereits durch Weihwasser geschwächt worden waren, unter den Hieben der entfesselten Sandner zu schwarzem Staub … für einen kurzen Augenblick herrschte eine atemlose Stille, dann brach die Hölle los. In einem wahnwitzigen Hexentanz wirbelten die Überreste der vernichteten Skelette umher und vereinigten sich zusammen mit den beiden untoten Priestern zu einem riesigen Ungetüm, das mit vier gewaltigen Knochenklauen auf uns losging. Al Murgon warf rasch einen Feuerball, wurde aber gleich darauf von einer Klaue gegen eine Wand geschmettert und blieb leblos liegen. Im nächsten Augenblick zerstampfte der Koloss schon Ugy, der nicht rasch genug dem verheerenden Tritt ausgewichen war. In höchster Not sandte ich ein Stoßgebet zu Cor, riss eine Schriftrolle hervor, die ich für einen Augenblick aussichtsloser Bedrängnis aufbewahrt hatte und wirkte Dank der Gnade unseres Herrn einen machtvollen Zauber … heilende Lichtstrahlen schossen aus meinem Körper und schlossen die Wunden meiner verbliebenen Gefährten. Zeitgleich gelang es Sereida, den Skelettriesen zu blenden. Rasch nützte ich die Gelegenheit, ihn mit der heiligen Macht eines weiteren Zaubers von den Beinen zu fegen … dann ging ich gemeinsam mit Ery zum Nahkampf über … von heiligem Zorn erfüllt schlugen wir mit Keule und Krummsäbel auf ihn ein, während wir den ungezielten Hieben des geblendeten Ungeheuers auswichen … schließlich erwischte es den Halbling doch durch einen Glückstreffer und schleuderte ihn zur Seite. Ich glaubte uns schon verloren, da schrie Sereida eine Warnung … die Zauberin hatte geistesgegenwärtig das Zepter Al Murgons an sich genommen … ich konnte mich eben noch zur Seite werfen, dann schlug schon eine tosende Feuerkugel in den gewaltigen Totenschädel und beendete sein unheiliges Dasein.“

Mit einem schweren Seufzer schloss Geirox seine Erzählung und schloss erschöpft die Augen, während ihn sein Schüler mit offenem Mund anstarrte. Schließlich ertrug dieser seine Neugierde nicht länger und fragte schüchtern: „Und was geschah dann, Vater?“ Langsam öffnete der alte Priester seine Augen und erwiderte: „Nun, der dunkle Fluch des Mumienfürsten war damit gebrochen, seine Geschöpfe vernichtet … uns blieb nur mehr, unsere Toten zu beklagen. Sereida und Muradizhe – die nach dem Kampf ganz plötzlich wieder erschien, als wäre nichts gewesen – ließen es sich allerdings nicht nehmen, seine Schatzkammer zu plündern. Beladen mit den Leichen unserer gefallenen Gefährten und den erbeuteten Schätzen machten wir uns daran, einen Ausgang zu suchen … aber das ist eine Geschichte, die an einem anderen Tag erzählt werden soll.“

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mad_eminenz

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